Anna Kim

Sassnitz, Deutschland

Sassnitz, Deutschland

Bücher

Invasionen des Privaten
Cover: Invasionen des Privaten

Nach Grönland fahren, um sich selbst zu finden? In den Inuit, den Ureinwohnern dieses Landes, die Paradigmen der eigenen Existenz entdecken? Genau das beschreibt Anna Kim in ihrem Bericht über diese polare Insel, deren landschaftliche Schönheiten so weit weg sind von allem, was die Touristik uns als schön anpreist: die Kargheit, die Leere, die Farben und Formen von Eis, Schnee und Wasser.

Anna Kim blättert die Kolonialgeschichte dieses Landes auf, eine Kolonialgeschichte, die so unerbittlich und so erniedrigend für seine Bewohner ablief wie jede andere koloniale Geschichte auf der Erde und die zu extrem beschädigten Identitäten führte und zu einem, bevölkerungspolitisch gesehen, großen Anteil an dänisch-grönländischen »Mischlingen« – eine Mischkultur, die unter Zwang und unter großen Verlusten zustande kam. Was es bedeutet, hier Dänisch oder Grönländisch zu sprechen, was es bedeutet, anders auszusehen, als Teil welcher der beiden Kulturen man durchgeht oder eben nicht, welcher Preis an Geborgenheit bzw. Fremdheit zu bezahlen ist, wenn man sich in die Identitäts-Maschinerie von Einschluss/Ausschluss begibt – das zeigt Anna Kim, die in Südkorea geborene österreichische deutschsprachige Schriftstellerin, auf beklemmende Weise anhand von Beobachtungen und Gesprächen auf, die sie in Nuuk, der Hauptstadt Grönlands, führte.

Und noch etwas rückt dieser wichtige Essay zurecht: dass Reisen auch das Ventil für die Sehnsucht sein kann, als eine existenziell Fremde endlich in adäquater Umgebung zu sein, endlich mit Fug und Recht fremd zu sein, freiwillig.

Die gefrorene Zeit
Cover: Die gefrorene Zeit

Seit dem Ende des Krieges im ehemaligen Jugoslawien wurden dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes mehr als 30.000 Menschen als vermisst gemeldet. Bis heute konnten nur etwa 15.000 Personen identifiziert werden.

Das ist der Hintergrund der Geschichte, die Anna Kim in ihrem zweiten Buch erzählt: die Suche eines Kosovaren nach seiner verschwundenen Frau und das allmähliche Eindringen der Ich-Erzählerin in die komplexen Zusammenhänge hinter diesem traumatisierenden Ereignis. Sie lernt nicht nur das alltägliche Leben in den albanisch-serbischen Konfliktzonen des Kosovo kennen, die schockierende Arbeit der Archäologen und forensischen Mediziner und Anthropologen, die Fragebögen zur Erhebung der »Ante-Mortem-Daten« des Roten Kreuzes – es öffnen sich vor allem die Dimensionen von Erinnerung und Erinnerungsverlust, von unterbrochenen Biografien, von »gefrorener Zeit«".

Die Bilderspur
Cover: Die Bilderspur

Suchen – Finden – Verlieren: das sind die drei Stadien dieser Erzählung. Der Vater, aus einer fremden Kultur stammend, ist Maler und bringt seiner Tochter, der Erzählerin, das Lesen von Bildern und einen besonderen Zugang zu ihnen bei. Die Fremdheit des Vaters spiegelt sich auch in der familiären Entfremdung wider. Immer wieder verschwindet er, kehrt in seine Heimat zurück, konfrontiert seine Tochter mit Abschieden, lehrt sie das Abschiednehmen – ein letztes Mal noch mit seinem langen Sterben. Die Suche nach dem Vater ist das Widerrufen seines Abschieds: die Zeremonien des Abschiednehmens müssen immer wieder und in verschiedenen kulturellen Kontexten durchgeführt werden.

Die Bilderspur ist vieles zugleich: eine Künstlernovelle (mit einer spannenden Variante des ostasiatischen Motivs des in seinem Bild verschwindenden Künstlers), ein politischer Text um die Begriffe Exil und Fremde, eine Reflexion über Sprache und Bild und ein spannender Schritt auf sprachlichem Neuland; vor allem aber ist Die Bilderspur ein bewegendes Dokument über Entfremdung als paradigmatische Befindlichkeit der Gegenwart.

Andere Publikationen (Auswahl):

Fingerpflanzen

Erzählung, erschienen in Literatur & Kritik und in der Anthologie Zeichensetzung. Zeilensprünge. Junge Literatur in Österreich, herausgegeben von Thomas Ballhausen, Regina Hilber und Barbara Zwiefelhofer (Luftschacht, 2009).

liebe, unendlich

2007 entstand im Rahmen des Projekts Mein Bild – meine Religion. Aspekte der Religion zu Bildern der Kunst, auf Einladung von Birgit Pölzl und Johannes Rauchenberger, der kurze Essay liebe, unendlich.

das sinken ein bückflug

2006 entstand als Gemeinschaftsprojekt mit der Bildenden Künstlerin Ef Ablinger der schmale Gedichtband das sinken ein bückflug.