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- Literaturverlag Droschl, Sept. 08
Links:
- Interview mit Peter Landerl
- Lesung (Mitschnitt) & Interview von Radio Orange
- Video-Interview von derStandard.at
- Ante-Mortem-Data von Annette Brüggemann für WDR 3
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»Anna Kim gelingt das bedrückende Porträt eines Mannes, der seiner Frau und gleichsam seinem Ich entrissen wird; den nicht der Krieg, sondern das Gefühl des Verlusts entwurzelt. Ganz sanft, ja geradezu behutsam vermag es Kim, die Sprache des Unaussprechlichen, des Todes in diese Gedankenwelt einzuflechten. Ein ergreifender Roman.«
(FAZ)
»Trocken liest sich das Inventar äusserer menschlicher Eigenschaften, aus dem die in Südkorea geborene und in Österreich lebende Schriftstellerin Anna Kim einen Roman von eindringlicher Kraft macht. Die gefrorene Zeit nennt sich ein Werk, das so poetisch wie deutlich ist, das die genaue Recherche so wenig gescheut hat wie formale Experimente. Ein Kosovo-Albaner sucht beim Internationalen Roten Kreuz um Hilfe bei der Suche nach seiner verschollenen Frau an. Die Mitarbeiterin des Suchdienstes, die auch die Erzählerin des Romans ist, begibt sich auf Recherche in mehr als nur einem Sinn. Die verwirrenden Fluchtlinien der Balkankriege werden in einer Erzählung sichtbar, in der der Gang durch die umkämpften Landschaften auch ein Gang durch innere Territorien ist. ( ) Gefroren ist die Zeit in Anna Kims Roman und kühl seine Sprache, und doch ist ein heiliges Feuer darin.«
(NZZ, Paul Jandl)
»In unterkühlter ebenso sachlicher wie poetischer Sprache gelingt es Anna Kim bereits auf den ersten Seiten ihres Buches, die großen menschlichen Fragen zu stellen. Wie konstruiert sich Identität? Ist sie wirklich, so wie es der Fragebogen suggeriert, klar bemessen? Setzt sie sich wirklich bloß aus Geschlecht, Alter, Krankheit, Kleidung, Augenzeugenberichten und Zufallsbegegnungen zusammen? Was bleibt vom Menschen, wenn er nicht mehr real anwesend ist? Wenn er verschwimmt, sich in Akten, Datenblättern und Ante-Mortem-Fragebögen auflöst? ( ) Anna Kim hat mit ihrem neuen Buch einen eindrucksvollen Text vorgelegt und hat für die Schrecken des Krieges ebenso eine adäquate Sprache gefunden wie für die Freuden und Kümmernisse des Alltags.«
(ORF, Ö1 Buch der Woche, Gerhard Pretting)
»Anna Kim hat einmal mehr ein bemerkenswertes Buch vorgelegt und ihr kompositorisches Verfahren, das neue Bilder generiert, zu veränderten Wahrnehmungsmustern zwingt, konsequent fortgeführt. Derlei neu(artig)e Bilder hat die Literatur bitter nötig – zumindest dann, wenn sie sich nicht endgültig mit affirmativer Weltvermessung begnügen, sondern ihren Anspruch auf potenziell subversiven Gehalt wahren will. Kims Text stellt Fragen, und so dringend diese einer Beantwortung bedürften, so beharrlich bleiben Baukastenlösungen aus. Am Ende einer solchen literarischen Feindifferenzierung bleiben 144 gelesene Seiten, verstörte Nachdenklichkeit und ein Unbehagen, aber auf Behaglichkeit ist es in der wahrhaftigen Literatur noch nie angekommen.«
(Der Standard, Josef Bichler)
»Es tut wohl, dass Anna Kim ihre eindringliche Geschichte gründlich recherchiert hat, kenntnisreich berichtet sie, hat ihr Buch auf soliden Untergrund gebaut. Die gefrorene Zeit ist ein Buch, das einen frieren lässt ob der Brutalität menschlichen Tuns, es ist Anna Kims Leistung, den Leser mit all dem Leid und der Gewalt nicht alleine zu lassen. Mit Sicherheit eines der wichtigsten Bücher dieses Jahres.«
(Literaturhaus Wien, Peter Landerl)
»Das ist wohl neben der so überzeugenden wie überraschenden Komposition Kims größte Leistung, Fachsprache, Mythos, Detailreichtum, Reflexion und Poesie zu vereinen in hoch konzentrierter Form. Im Gegensatz zu ihren Figuren gelingt es der jungen Autorin dabei in ihrem zweiten Roman, immer die lebensgefährlich heikle Balance zwischen Empathie und Distanz zu halten. So kann auch die Lektüre oszillieren zwischen Sprachbegeisterung und Entsetzen über die beschriebenen Leiden, zwischen Mitleid und Mitdenken, zwischen literarischem Genuss und menschlichem Verzweifeln, zwischen Mithassen und Mitlieben. Zeitgeschichte, auch das ist ein Verdienst des Romans, wird lebendig, Vergessenes und Verdrängtes wie der Bürgerkrieg in Jugoslawien kehren wieder. Der Tod hat auch im Roman das letzte Wort, aber nicht die Mörder. Einfache Antworten kennt er nicht, aber gibt dem Verschwiegenen eine Stimme.«
(Freie Presse, Rolf-Bernhard Essig)
»Die Autorin hat sich für eine nüchterne und dabei diskret metaphorische Sprache entschieden, knapp und befremdlich, und mit der Sicherheit einer Schlafwandlerin trifft sie den richtigen Ton. ( ) Anna Kim hat ein todernstes, ein todtrauriges Buch geschrieben: ohne Zweifel ein meisterliches.«
(Die Furche, Daniela Strigl)
»Die gefrorene Zeit ist ein Buch über Erinnerung, über den Umgang mit dem Schrecken, über das einsetzende Vergessen. ( ) Anna Kim findet für ihr so aktuelles und politisches Buch eine zarte, fast lyrische Sprache, die Zwischentöne zulässt und mehr beschwört, als sie benennt.«
(Die Presse, Thomas Rothschild)
»Für die Recherche zu diesem Roman ging sie von einem Buch der Gegenstände aus, einem Katalog mit Fotos von Gegenständen, die in Massengräbern gefunden wurden: Ausweise, lose eingesammelte Kleidungsstücke, kleine Dinge, die man in der Hosentasche mit sich trägt. Dieser Katalog habe Kim auf die Spuren dessen gebracht, was das Kriegstrauma für Einzelpersonen bedeute. In Gesprächen mit Menschen aus dem Kosovo über deren Trauer habe sie eine Grenze kennengelernt, wo man nicht weiter fragen, weiter sprechen kann. Diese Grenze zu überwinden, zum nächsten Satz vorzudringen sei die wesentliche Erfahrung beim Schreiben gewesen.«
(Der Standard, Isabella Hager)
»Kim gelingt durch ihre zurückhaltende Sprache der Versuch, ein Stück Weltpolitik und nunmehr auch schon Geschichte durch die literarische Aufarbeitung von Einzelschicksalen (be)greifbar zu machen.«
(APA, Edgar Schütz)
»Anna Kim bringt eine Erfahrung auf den Punkt, die jeder kennt, der liebt: Die Zeit, die wir vom Geliebten getrennt sind, erscheint uns als fahl und leer, ja sie scheint mitunter überhaupt stillzustehen. Kim überträgt diese existentielle und fast alltägliche Erfahung auf eine Extremsituation.«
(Falter, Nicole Streitler)
»Lange hat Kim eine adäquate Spreche gesucht, um das Unsagbare literarisch festzuhalten. Es ist ihr mehr als gelungen.«
(Kurier, Caro Wiesauer)
»Anna Kims Roman ist so nahe der Realität entlang geschrieben, dass dem Leser kein Schlupfwinkel bleibt; was sich in Die gefrorene Zeit abspielt, hat sich so oder ähnlich x-fach schon abgespielt. Doch die Literatur vermag etwas, was der Realität abgeht: Sie macht auch jene betroffen, die gar nicht betroffen sind. Sie konfrontiert mit Figuren, deren Schicksale eine Entsprechung in der Welt der Leser haben. Dass der Autorin die Konfrontation gelingt, liegt an der Distanzlosigkeit, die im Text ohne jegliches Pathos, ohne jede Schuldzuweisung zur Darstellung kommt. Eine Ästhetik der Nüchternheit, die doch Verbindlichkeit schafft, auch oder weil beim Lesen das Atmen zuweilen schwer fällt.«
(Wiener Zeitung, Markus Bundi)
»Eine Geschichte über das Fremdsein, Vertreibung und Tod. Klar und sachlich, aber auch zart und poetisch, beschreibt sie den Schrecken und das Nichtfassbare.«
(Literaturport des Literarischen Colloquium Berlin, Annemarie Türk)
»Auch hier bestätigt sich die Erfahrung, dass ein Einzelschicksal mehr über ein gravierendes Ereignis aussagt als eine allgemeine Beschreibung. Beim Lesen dieses außergewöhnlichen Buches rückt das Innenleben seiner Figuren bedrängend nahe, und man glaubt in einer tieferen Schicht des Wissens endlich ein Stück weit zu ahnen, welche Vorgänge sich in den Seelen der Opfer einer Terrorherrschaft abspielen und dass darin ein unauslöschliches Siegel des Schmerzes zurückbleibt.«
(Der Bund, Beatrice Eichmann-Leutenegger)
»Anna Kim aborde ce matériau historique d´une manière tout à fait personnelle : la construction inattendue du récit comme le style très littéraire de l´auteur font de Die gefrorene Zeit un livre original. Nora, la narratrice dit je mais n´évoque Luan qu´à la deuxième personne du singulier, tu, comme si ce texte n´était au fond qu´une longue lettre à son attention. Pourtant, si le récit commence comme une histoire d´amour improbable avec la rencontre des deux personnages, il plonge bientôt dans le chaos intérieur de Luan et se détache du duo pour évoquer le Kosovo et relater des légendes et rites qui entourent les étapes de la vie des Albanais. Malgré ou grâce à ses ruptures de genre qui nous font passer de l´adresse amoureuse au reportage et au conte, le style d´Anna Kim, très poétique, garde une étonnante unité. Peut-être parce que la même question sous-tend tout le livre qui s´y arrête toujours et encore : que signifie se souvenir de quelqu´un ? Que conserve la mémoire humaine d´une personne disparue ? Le souvenir en rend t-il vraiment compte?«
(Goethe Institut, Bordeaux)
»Anna Kim erzählt schonungslos behutsam. Als Leser ertappt man sich immer wieder dabei, dass man einen Sachverhalt tabuisiert hat und jetzt durch diesen Roman vor sich frei legen muss. Die Liebesgeschichte, umrahmt von Kriegswirren, Wahnsinn und Leichen, leistet sich nur das Nötigste, alle Schnörkel von Liebelei sind verpönt, es geht tatsächlich um Leben, Liebe und Tod. Ausnahmsweise ist die Bürokratie gnädig, die Befragung von Amts wegen fällt diskret und innig aus, so als ob die Bürokratie die letzte Rettung sein könnte, wenn es um den schieren Wahnsinn geht. Ein aufwühlender Roman.«
(bn – Bibliotheksnachrichten, Helmuth Schönauer)
»Erstaunlich, wie immer wieder aus der Publikationsflut Werke auftauchen, die einen so unmittelbar ansprechen, dass es erschreckt. Und nicht nur im Thema oder dem, was man landläufig den Inhalt nennt, sondern im Stil, in der Komposition, in der Freiheit des Rhythmus. Es sind Bücher wie Franz Kafka sie einmal forderte, solche die stechen, wehtun, schmerzen.«
(Nürnberger Nachrichten, Rolf-Bernhard Essig)
»Die Gefrorene Zeit ist eine eindringliche Metapher für den erzwungenen Stillstand des Lebens, wenn die Geliebte fehlt, wenn weder Vor noch Zurück, weder Vergessen noch Verzeihen möglich scheinen. Kunstreich geschrieben und sehr berührend.«
(ECHO)
»Der Perspektivenwechsel zwischen der Ich-Erzählerin und ihrem Klienten zeigt die Leichtigkeit, mit der gelungene Literatur kulturelle Mauern sichtbar macht und bereits dadurch gewaltfrei bröckeln lässt. ( ) Ein literarisches Glanzstück für all jene, die an glaubwürdiger politischer Literatur interessiert sind.«
(bn – Bibliotheksnachrichten Saarbrücken, Martin Jäger)
»Mit ungeheurer Sensibilität ringt Anna Kim um die richtigen Worte für das stumme Leiden. Empfehlung!«
(Brigitte)